Die Heldinnen der Revolution (Presseschau)

24 Feb

Giuliana Sgrena beschäftigt sich in ihrem ZEIT-Artikel mit der Rolle der Frauen in der arabischen Revolte. Dokumentiert wird die Bedeutung weiblicher Unterstützung im Kampf gegen die Repression, die mittlerweile über eine Verpflegung der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz hinausgeht. Tendenz steigend. Die Partizipation aller sozialen Gruppen machen den Geist dieser Aufstände aus und könnte eine einmalige Chance für die nach Freiheit strebenden Frauen im Maghreb sein. Auch Fabian Löhe unterstreicht in seinem Kommentar für die Financial Times Deutschland den langen Atem der Frauen und ihren quantitativen und qualitativen Beitrag zu den Demonstrationen. Der weibliche Protest wird politischer und zunehmend erfinderisch: die Frauen waren es, die Pepsi Cola als Mittel gegen das Tränengas entdeckten. Beide Autoren widmen sich der Frage, woher die Motivation der weiblichen Front rührt und welche Zukunft sie sich womöglich gerade erkämpft. Amira El Ahl widmet sich in seinem Artikel für Welt Online den so genannten „Zivil-Komitees“, die zu einem großen Anteil aus zornigen Frauen bestehen und die Friedlichkeit der Proteste auf dem Tahrir-Platz gewährleisten wollen. Eine Aufgabe, die ihnen noch vor drei Monaten im Traum nicht eingefallen wäre.

Rezensionsnotiz zu „Nemesis“ von Philip Roth

24 Feb

Die Lektüre des als meisterhaft empfundenen Werkes Roths hinterlässt den Rezensenten begeistert aber skeptisch. Die Stärke des Romans sieht Christopher Schmidt eindeutig in der „rhetorischen Wucht“ und preist „Nemesis“ als eine meisterhafte Vollendung der Roth-Tetralogie. Eingebettet in eine vollständige Nacherzählung des Romaninhalts lobt er die Plastizität des Romans und weist auf die autobiographischen Parallelen zwischen der Hauptfigur Bucky und dem Autor hin. Der Protagonist selbst ist es aber leider auch, der nicht glaubwürdig sei, da man nur schwer eine Kausalität zwischen den historischen Lasten Amerikas und den damit verknüpften Schuldgefühlen Buckys erkenne. Das Pflichtgefühl der Romanfigur habe keine objektve Grundlage und genau das habe, glaubt man Schmidt, auch der Autor gespürt. So bleibt ein von Roths literarischen Künsten beeindruckter Rezensent zurück, der selbst nicht recht weiß, warum ihn das Gesamtwerk trotz thematischer Fragwürdigkeiten mitreißt.

Quechua für Anfänger

23 Feb
Quelle: reiserat.de

Quelle: reiserat.de

Touristen sind brutal. Bei der Planung des Auslandsaufenthaltes scheinen oft Namen und Relevanz über den Reiseverlauf zu entscheiden, nicht aber Fingerspitzengefühl oder echtes Interesse für das Gastland. Das ist bedauerlich. Insbesondere für jene Länder, die auf den zweiten Blick Atemberaubendes zu bieten haben. Bolivien ist ein solches Stiefkind. Von seinen mächtigen Nachbarn Argentinien, Brasilien und Peru in den Schatten gestellt, erhält es nur von vergleichbar wenigen die Chance, sich und seine Vielfalt zu präsentieren. Wer jedoch einmal in den Bann der Bolivianos und ihrer Cultura mixta gerät, wird immer wieder kommen. In diesem Blog möchte ich euch erklären, warum ich während eines Freiwilligendienstes mit Projects Abroad im Jahr 2008 mein Herz an Bolivien verlor.

Der Andenstaat hat eine lange und blutige Geschichte hinter sich. Als die Spanier im 16. Jahrhundert das heutige Bolivien eroberten, wurde das Prä-Inka-Volk der Aymara und deren kulturelle Strukturen fast vollständig bekämpft. Trotz der radikalen Europäisierung hat die indigene Bevölkerung bis heute ihre wichtigsten Riten und Lebensarten beibehalten können. Obgleich Spanisch offiziell als Landessprache gilt, gibt es 36 weitere indigene Amtssprachen. Als wohl verbreitetsten gelten das Quechua und Aymara. Wer in den Straßen Cochabambas oder Sucres einer Obst verkaufenden Cholita oder ihrem Gatten begegnet, kann sich fast sicher sein, dass spanische Konversationen über das Kaufgeschäft hinaus nicht funktionieren werden.

Ein Muss für jeden Bolivien-Reisenden ist ein Besuch der Ruinenstätte „Tihuanaco“ in der westlichen Hochebene des Altiplano. Das administrative und religiöse Zentrum der Aymara-Kultur ist zwar erst zu 1% ausgegraben, gibt aber dennoch einen faszinierenden Einblick in den fortschrittlichen Zeitgeist des Volksstammes.  Etwa 70km weiter östlich auf etwa 4oo0m liegt La Paz, der höchstgelegene Regierungssitz der Erde. Von dort aus erreicht man per Bus problemlos die Copacabana und den daran grenzenden Titicaca-See mit seinen paradiesisch anmutenden Inselgruppen.

Aktuelles zu Lateinamerika und Bolivien findei ihr hier.

Kevin Kelly: Über die Zukunft des Buches

23 Feb
cc sharealike

Foto by: eschipul, CC sharealike

Es gibt eine Menge Internetvisionäre – nennen wir nur Clay Shirky (mehr hier), Jeff Jarvis (mehr hier), Yochai Benkler (mehr hier) oder Lawrence Lessig (mehr hier) – aber keiner spricht so klar und zugleich faszinierend über die Zukunft des Buchs und des Lesens wie Kevin Kelly. Schon im Jahr 2006 veröffentlichte Kelly, einer der Mitbegründer des Technomagazins Wired, einen klassischen Essay über die Zukunft des Buchs in der New York Times (Essay hier).

Nun hat er eine TOC Conference gehalten, in der er seine Thesen ausführt und aktualisiert – merklich inspiriert von der Verbreitung des Ipads, das von Wired in einem nicht unumstrittenen Artikel von Kellys Kollegen Chris Anderson als die Zukunft des Internets gefeiert wurde.

In diesem Vortrag fasst Kelly die Zukunft des Buchs (und des Schreibens und Lesens) in folgende sechs Verben

1 Screening
2 Interacting
3 Sharing
4 Accessing
5 Flowing
6 Generating (what’s better than free?)

Kevin Kellys neuestes Buch ist „What Technology Wants“: „Es behauptet, Technik als Ganzes sei nicht bloß ein Gewirr aus Kabeln und Metall, sondern ein lebendiger und beweglicher Organismus mit seinen eigenen unbewussten Bedürnissen und Tendenzen.“

Kelly sagt, dies sei sein letztes Buch auf Papier.

Voilà!

22 Feb